Herausforderung # 1 Sich Zeit lassen. Wider dem Romeo-Prinzip

Der Name ist Programm und so tüdel ich schon seit Wochen an diesem Post herum… Auch wenn im Studium Sprüche kursierten wie „Ich habe ein Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem habe“ oder „Diamanten entstehen nur unter Druck“ (Erwiderung: „Für Diamanten braucht man Kohle!“), musste ich für mich feststellen, dass ich unter Zeitdruck überhaupt nicht gut arbeiten kann. Auch bei Freunden sehe ich oft, wie sie sich mit selbst gesetzten Deadlines unter Druck setzen. Ich kenne das. Ich nehme mir etwas vor, es ist ganz klar was zu tun ist und ich müsste es einfach nur erledigen, aber irgendwie… Dabei gibt es noch nicht mal äußere Umstände, die als Ausrede herhalten könnten. Ich hätte die Gelegenheit und auch die Zeit gehabt. Spätestens wenn ich eine solche Aufgabe zum zweiten Mal von einer Liste auf die Nächste verschiebe, ist der Druck da und lähmt mich. Aber warum mache ich mir diesen Druck? Warum bin ich so streng mit mir? Nur weil ich heute etwas erledigen könnte – ist dass wirklich ein guter Grund um etwas zu tun? Und wenn es keinen dringenden Termin gibt, geht es nur darum meinem Perfektionismus und der Selbstdisziplin zu genügen? Nur „ums Prinzip“? Vielleicht ist es heute wichtiger den Tag zu genießen, auszuruhen, nichts zu tun, mir Zeit für mich zu nehmen, Muße zu haben, um andere Ideen reifen zu lassen, Kraft zu tanken oder anderen und sich selbst eine Freude zu machen. Einfach so. Wenn ich ehrlich bin, ist es bei manchen Arbeiten fraglich, ob sie überhaupt wichtig sind…

Kathrin Passing und Sasha Lobo beschreiben dieses Prinzip immer gleich und schnell irgendwas vermeintlich sinnvolles tun zu müssen (und die Fehler, die aus dieser Eile entstehen) in ihrem Buch „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ als das „Romeo-Prinzip“. Hätte eben jener nur noch ein paar Minuten mit seinem dramatischen Selbstmord gewartet, hätte es ein wunderschönes Happyend geben können. Hat er aber nicht. (Ob sich die Geschichte dann so gut verkauft hätte, bleibt jedoch ungewiss.). Aber wie oft verderben wir uns einen schönen Moment indem wir uns zu Effizient anhalten? Wie viel ärmer wird dadurch unser Leben, den wer erinnert sich am Ende an erledigte To-do-Listen? Den Druck rauszulassen und mal Fünfe grade sein zu lassen ist überraschend schwer. Oder, wie Björn Kern es formuliert: „Nichtstun verlangt einem viel, manchmal alles ab.“ Denn „Nichtstum wird gerne mit Faulheit verwechselt, aber um Faulheit geht es hier nicht. Sondern um Haltung. […] Gelingendes Nichtstun geht davon aus, dass man mehr Schlechtes als Gutes bewirkt, solange man einem System angehört, dass auf Wachstum, Verschwendung und Ausbeutung basiert.“ Ich selbst stehe da noch am Anfang, aber dieses Argument hilft mir meine Perspektive zu ändern. Meine eigenen Momente des Nichtstuns oder bewusst langsamen Arbeitens nicht mehr im negativen Licht von Egoismus zu sehen. Ich versuche „vielleicht lieber morgen…“ als festen Bestandteil in meine Arbeitshaltung mit aufzunehmen. Versuche mir mit allem mehr Zeit zu lassen und stattdessen herauszufinden was gerade wirklich wichtig ist, um im Alltag nicht das Leben zu vergesssen und die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. oder zumindest nicht schlimmer. Also: Gönnt euch eine Tasse mit heißem Tee und wartet einfach mal ab…

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